Garnisonsschützenhaus – außen

Garten

Initiative – Offener Brief (24.03.14)

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Kuhn,
sehr geehrter Herr Bürgermeister Föll,
sehr geehrter Herr Bürgermeister Hahn,
sehr geehrte Fraktionsvorsitzende des Gemeinderats,
sehr geehrte Mitglieder des Bezirksbeirats Degerloch,
sehr geehrte Damen und Herren der Stadtverwaltung,
ein Spaziergang über den Schimmelhüttenweg vorbei am Dornhaldenfriedhof über den Waldfriedhof und zurück mit der Seilbahn nach Heslach zählt für viele Gäste und Bürger Stuttgarts zu den beeindruckenden Stuttgart-Momenten. Auf dem Weg liegt das seit mehreren Jahren leerstehende Garnisonsschützenhaus – auch dieses hinterlässt einen Eindruck. Viele Spaziergänger bleiben davor stehen, Gespräche und Fragen entstehen. Im Jahr 1893 vom Königlichen Garnisonsbauinspektor Schneider erbaut, steht das Garnisonsschützenhaus unter Denkmalschutz und ist eines der wenigen Gebäude in Stuttgart im Schweizerstil. Die Landeshauptstadt Stuttgart ist selbst Eigentümerin der Gebäude und des Grundstücks und damit für den Erhalt und die Gestaltung der zukünftigen Nutzung verantwortlich. Wir möchten die Form des offenen Briefes an Sie wählen, um eine politische und öffentliche Diskussion zu befördern. Dabei stellen sich uns – und wahrscheinlich auch vielen anderen Bürgerinnen und Bürgern – folgende Fragen, um deren Beantwortung wir Sie bitten möchten. Wir würden Ihre Antworten gerne online veröffentlichen.

  • Welche Geschichte verbindet die Stadt Stuttgart mit dem Garnisonsschützenhaus?
  • Seit wann steht das Garnisonsschützenhaus leer?
  • Welche konkreten Anstrengungen hat die Stadt Stuttgart seitdem unternommen, um das Garnisonsschützenhaus neuen temporären oder dauerhaften Nutzungen zuzuführen? Wurde bzw. wird über eine Zwischennutzung nachgedacht?
  • Wurden bzw. werden die Ideen und Kontakte von interessierten Initiativen, die sich anfragend an das Liegenschaftsamt gewendet haben, dort dokumentiert?
  • Wurden bzw. werden diese Ideen im Rahmen eines Beteiligungsprozesses aufgegriffen und wurden bzw. werden die Kontakte im Rahmen eines Vergabeverfahrens angesprochen? Werden Sie Bürger und Initiativen im weiteren Planungsprozess beteiligen?
  • Wie sieht der konkrete Plan zur Entwicklung des Garnisonsschützenhauses aus? Mit welchem Zeithorizont rechnen Sie?
  • Strebt die Stadt Stuttgart einen Verkauf,  eine Verpachtung bzw. eine Vermietung des Garnisonsschützenhauses an? Nach welchen Kriterien wird der Käufer, Pächter oder Mieter ausgewählt?
  • Was werden Sie tun, um den immer deutlicher zu Tage tretenden Verfall des Garnisonsschützenhauses so schnell wie möglich zu stoppen und weitere Schäden an dem Kulturdenkmal zu verhindern?

Gerade bei historisch bedeutsamen Gebäuden sollte im Zentrum der Anstrengungen ein nachhaltiges und sinnvolles Nutzungskonzept stehen, das auf breite Akzeptanz in der Bürgerschaft bauen kann. Das von Ihnen eingeführte „Konzeptverfahren“ bei Immobilienprojekten zeigt in diese Richtung. Wir möchten daher vorschlagen, beim Garnisonsschützenhaus ein Beispiel zu setzen und die Bürger bei der Entwicklung der zukünftigen Nutzung zu beteiligen, indem für das Gebäudeensemble ein offener und öffentlicher Ideen- und Konzeptwettbewerb durchgeführt wird.
Mit den besten Grüßen,
die Unterzeichner

Initiative – Unterzeichner des offenen Briefs (24.03.14)

Sie können den offenen Brief mit unterzeichen und Ihre Unterstützung zum Ausdruck bringen, indem Sie einen Kommentar hinterlassen. Bitte teilen Sie uns dabei Ihren Vor- und Nachnamen mit. Einfach auf dieser Seite ganz nach unten scrollen.

Entry without preview image

Lorem ipsum dolor sit amet, consectetuer adipiscing elit. Aenean commodo ligula eget dolor. Aenean massa. Cum sociis natoque penatibus et magnis dis parturient montes, nascetur ridiculus mus. Donec quam felis, ultricies nec, pellentesque eu, pretium quis, sem.

  1. Nulla consequat massa quis enim.
  2. Donec pede justo, fringilla vel, aliquet nec, vulputate eget, arcu.
  3. In enim justo, rhoncus ut, imperdiet a, venenatis vitae, justo.

Nullam dictum felis eu pede mollis pretium. Integer tincidunt. Cras dapibus. Vivamus elementum semper nisi. Aenean vulputate eleifend tellus. Aenean leo ligula, porttitor eu, consequat vitae, eleifend ac, enim. Aliquam lorem ante, dapibus in, viverra quis, feugiat a, tellus.

Weiterlesen

This is a post with post type „Link“

Entries with this post type link to a different page with their headline. Lorem ipsum dolor sit amet, consectetuer adipiscing elit. Aenean commodo ligula eget dolor.

Zeitungsartikel "Wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen" (StN, Eva Funke, 14.09.2004)

Wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen
Wohngefühle (8) – Christa und Dieter Weiß leben abgeschieden am Dornhaldenfriedhof
Es gibt weit und breit kein Geschäft, kein Restaurant, kaum Autos. Nicht einmal Bus oder Straßenbahn kommen vorbei. Lärm und Trubel der Stadt sind weit weg, das Vogelgezwitscher dafür umso näher. Christa und Dieter Weiß wohnen dort, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen, direkt am Waldrand. Ihre Adresse: Auf der Dornhalde 1 – gegenüber dem Dornhaldenfriedhof. Abgeschiedener kann man in Stuttgart kaum wohnen.
Vor 34 Jahren ist Christa Weiß mit ihrem Mann Dieter in das denkmalgeschützte Gebäude gezogen. Erbaut wurde das Fachwerkhaus, das in keine Stilrichtung so recht passen will, 1893. Das erste Mal betrat Dieter Weiß sein Heim bereits Jahre zuvor – und bestellte sich in seinem heutigen Wohnzimmer erst mal ein Bier. Denn das leuchtend rote Backsteinhaus mit den grünen Fensterläden war einst beliebtes Ausflugslokal für Spaziergänger aus Degerloch und Heslach. Der Friedhof wurde sehr viel später angelegt, das Gelände lange Zeit als Schießbahn genutzt. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg übten Soldaten auf der militärischen Anlage ihre Treffsicherheit.
Auf einer alten Postkarte, die der Hausherr auf einem Flohmarkt aufgestöbert hat, ist dieser Abschnitt in der Geschichte seines Zuhauses festgehalten. Nach dem Zweiten Weltkrieg absolvierten die Amerikaner dort Schießübungen. Dann kaufte die Stadt Gelände samt Gasthaus vom Bund und legte dort Anfang der 70er Jahre den Dornhaldenfriedhof an.
„Das Gebäude war verwahrlost, das Grundstück verwildert. Keiner wollte hierher ziehen“, erinnert sich Weiß. Der 63-Jährige arbeitete beim Garten- und Friedhofsamt als Baggerfahrer. Als ihm das Haus als Unterkunft angeboten wurde, nahm er sofort an. Denn als gelernter Landschaftsgärtner hatte er im Kopf bereits das Bild eines Paradieses gemalt. Weiß: „Ich konnte mir sehr gut vorstellen, was ich aus dem Anwesen machen könnte.“
Bald gab es Hunde und Hühner im Garten. Und es wuchsen nicht mehr nur Bäume, sondern es blühten auch Blumen rund ums Haus. Ein Karussell, Schaukel und Wippe wurden aufgebaut. Die beiden Söhne und die Tochter brachten oft ihre Freunde mit nach Hause. Die Kinder konnten draußen toben, ohne dass sich Nachbarn beschwerten. Wenn es Zeit war, nach Hause zu kommen, läutete der Vater per Seilzug die Glocke auf dem Dach. Die Familie störte niemanden, und sie wurde nicht gestört. Bis zum Herbst 1977: Da postierten sich Kamerateams im Obergeschoss. Hunderte Polizisten sicherten das Gelände, Hubschrauber kreisten. Trotz massiver Proteste wurden am 27. Oktober Gudrun Ensslin, Andreas Baader und Jan-Carl Raspe auf dem Dornhaldenfriedhof bestattet. Weiß selbst hatte das Gemeinschaftsgrab für die Terroristen mit seinem Bagger ausgehoben. „In dieser Zeit hatten wir ein sehr mulmiges Gefühl“, erinnert sich seine Frau an diesen Herbst.
Wenn sie nach Sillenbuch zum Einkaufen fährt, wird sie oft gefragt, ob es ihr da draußen nicht zu einsam sei. Früher, als die Kinder im Haus waren, war Einsamkeit kein Thema. „Da war immer was los. Ich hatte ständig was zu tun.“ Obwohl die Zeiger auf der Turmuhr am Weißschen Heim seit Einzug der Familie auf beiden Zifferblättern jeweils die gleichen Stunden anzeigen, und zwar 9.10 und 16.40 Uhr, ist die Zeit nicht stehen geblieben. Die Kinder sind aus dem Haus, Christa und Dieter Weiß in Rente.
„Man muss ein bisschen aufpassen, dass man nicht in die Einsamkeit plumpst“, gesteht Christa Weiß. In die Stadt möchten sie und ihr Mann jedoch nicht ziehen. Denn nirgendwo ließen sich die Natur und der Wechsel der Jahreszeiten so intensiv erleben: die Verfärbung der Blätter im Herbst, die Durchsichtigkeit des Waldes im Winter und die vielen Grüntöne, die der Frühling in die Bäume zaubert. „Als wir hier eingezogen sind, wusste ich, dass wir bleiben“, sagt Dieter Weiß. Und seine Frau ergänzt: „Aber ich bleib‘ nur mit dir hier. Allein wär‘ es mir doch zu weit weg von der Welt.“
(Quelle: Stuttgarter Nachrichten, Eva Funke, 14.09.2004)