Geographischer Lehrpfad Schwälblesklinge

Der Geographische Lehrpfad von Heslach durch die Schwälblesklinge nach Sonnenberg verläuft durch einen repräsentativen Ausschnitt der Südwestdeutschen Schichtstufenlandschaft im Stuttgarter Stadtgebiet. Er wurde von einer Arbeitsgruppe des ehemaligen Instituts für Geographie der Universität Stuttgart entworfen und realisiert. Sein Schwerpunkt liegt auf der Veranschaulichung von Zusammenhängen zwischen verschiedenen landschaftsprägenden Faktoren. Dazu gehören das Gestein, die Oberflächenformen, das Klima, die Gewässer, der Boden, die Vegetation und nicht zuletzt der Mensch, der die Landschaft seit etwa 8000 Jahren zunehmend prägt und umgestaltet. Der Geographische Lehrpfad Schwälblesklinge möchte dem Stadtbewohner einen Einblick in unterschiedliche Mensch-Umwelt-Beziehungen geben und ein Verständnis für die Entstehungsgeschichte dieser Kulturlandschaft wecken. Er besteht aus insgesamt 8 Thementafeln, deren Standorte im Landschaftsmodell eingetragen sind.

Quelle: Uni Stuttgart, Institut für Geographie

Lehrpfad Streuobstwiesen "Kressart"

Im Stadtteil Sonnenberg hat die Stadt Stuttgart einen Streuobst-Lehrpfad angelegt. Die dortigen Streuobstwiesen gehen zurück auf ein Obstgut, das im Gewann Kressart 1923–25 zur Versorgung städtischer Einrichtungen wie Krankenhäuser und Kinderheime angelegt wurde. Entlang des 1,2 km langen Rundwegs stehen 14 Informationstafeln, die anschaulich über die Kulturform Streuobstwiese, Obstbaum-Hochstämme, Tierwelt und Obstverwertung Auskunft geben. Alte Obstsorten und Wildobstbäume können aus nächster Nähe betrachtet werden. Den landschaftlich schön gelegenen Lehrpfad erreicht man von der Haltestelle Sonnenberg (Stadtbahn U5, U6, U8, U12) oder von der Seilbahnstation Waldfriedhof (Linie 20).

Gesetzlicher Rahmen

Die baurechtliche Situation am Garnisonsschützenhaus ist komplex. Im Rahmen der Bauvoranfrage haben wir Lösungsansätze für folgende genehmigungsrechtliche Probleme entwickelt.

    • Mit Aufgabe des Schießplatzes wurde auch die ursprünglich baurechtlich genehmigte Nutzung aufgegeben und ist somit erloschen.
    • Das Garnisonsschützenhaus befindet ist im Landschaftsschutzgebiet Waldfriedhof-Dornhalde. Eine zukünftige Nutzung sollte in Übereinstimmung mit den Zielen des Landschaftsschutzgebiets stehen. Dies betrifft insbesondere die Nutzung des Außenbereichs (Garten) sowie besucherintensive Nutzungen.
    • Das Garnisonsschützenhaus und das Nebengebäude stehen unter Denkmalschutz nach §2 Denkmalschutzgesetz Baden-Württemberg. Es handelt sich um ein Kulturdenkmal, an dessen Erhaltung aus wissenschaftlichen, künstlerischen oder heimatgeschichtlichen Gründen ein öffentliches Interesse besteht. Der Denkmalschutz sollte bei einer Umnutzung berücksichtigt werden.
    • Planungsrechtlich befindet sich das Garnisonsschützenhaus im Außenbereich nach §35 BauGB. Unter den Außenbereich fallen alle Grundstücke, die nicht im Geltungsbereich eines qualifizierten Bebauungsplans liegen und die auch nicht zu einem im Zusammenhang bebauten Ortsteil gehören. Das Garnisonsschützenhaus ist ein erhaltenswertes, das Bild der Kulturlandschaft prägendes Gebäude (Kulturdenkmal). Daher wäre eine Nutzungsänderung danach zu beurteilen, ob das Vorhaben einer zweckmäßigen Verwendung der Gebäude und der Erhaltung des Gestaltwerts dient (§35 (4) 4. BauGB). Laut aktuellem Flächennutzungsplan der Stadt Stuttgart liegt das Grundstück, auf dem das Garnisonsschützenhaus und die Nebengebäude stehen, im Bereich Grünfläche (hellgrün). In dem Plan bildet es mit dem Dornhaldenfriedhof eine Einheit.
    • Die Landesbauordnung definiert Mindestabstandsflächen von Gebäuden und Wald von 30 Metern. Beim Garnisonsschützenhaus und den Nebengebäuden werden diese (weit) unterschritten.
    • Das Grundstück ist im Bodenschutz- und Altlastenkataster (ISAS Nr. 2276) der Stadt Stuttgart aufgrund der früheren Nutzung als Schießplatz Dornhalde als „grüne Fläche“ kartiert. Dies sind Flächen aus dem Altlastenkataster, bei denen keine Gefährdung besteht, deren Bodenmaterial aber als entsorgungsrelevant eingestuft ist, d.h. bei Aushub sind Mehrkosten bei der Entsorgung nicht auszuschließen. (ISAS Lageplan, ISAS Flächenpass)

Pläne (Quelle: Garten-, Friedhofs- und Forstamt, Stadt Stuttgart)

Vielen Dank an das Garten-, Friedhofs- und Forstamt der Landeshauptstadt Stuttgart für erste Plankopien, welche Grundrisse und Schnitte der Gebäude „Auf der Dornhalde 1“ und „Auf der Dornhalde 1A“ zeigen.
Auf der Dornhalde 1A

Auf der Dornhalde 1

Schweizerstil

Das Garnisonsschützenhaus gehört zu den wenigen Gebäuden in Stuttgart, die im Schweizerstil erbaut wurden. Bauten im Schweizerstil orientierten sich an den traditionellen, oft ornamental geprägten Holzbauten der alpenländischen Baulandschaft. Der Schweizerstil, auch Schweizerhaus-Stil oder Chaletstil, ist ein Teil des Historismus. Der Historismus griff in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Stile vergangener Jahrhunderte wieder auf und löste so den bisher vorherrschenden Klassizismus ab. Häuser, die im Schweizerstil erbaut wurden, werden auch als Schweizerhäuser bezeichnet. Typische Merkmale sind weit überstehende und flache Dächer, Fachwerk mit Ziegelmauerwerk bzw. Holzschindelverkleidung, Schwebegiebel, profilierte Balkenköpfe, Fensterrahmen und Deckbretter an Giebeln und Fensterbrüstungen mit Laubsägeschnitt, malerische Gliederung durch Erker, Dachreiter, Ecktürmchen und Vorsprünge.
Quelle: Gerd Leibrock, Stuttgart

Burgstall Heslach

Das Garnisonsschützenhaus liegt in der Nähe einer früheren Höhenburg, an die heute nur noch die „Burgstallstraße“ im Heslacher Tal und das Waldgebiet „Burgstall“ erinnern. Burgstall (auch Burgstelle) ist in der Burgenkunde der Begriff für eine Burg, von der noch weniger erhalten ist als eine Ruine. Die Burg Heslach scheint laut LEO-BW schon vor 1312 abgegangen zu sein.
Quelle: Wikipedia

Drittes Reich

In der Nazizeit wurden auf dem Schießplatz Dornhalde Todesurteile an politisch missliebigen Personen vollstreckt. Uns sind folgende Opfer bekannt:
Ewald Huth

Huth, Konrad (Stadtarchiv Stuttgart, Sterbebuch Stgt- Mitte)

Sterbeurkunde Ewald Huth (Stadtarchiv Stuttgart, Sterbebuch Stgt.-Mitte, via Recherche Wolfgang Kress)


Im Jahr 1944 wurde der Chordirektor und Organist Ewald Huth wegen seiner freimütigen öffentlichen Warnung vor dem Nationalsozialismus hingerichtet. Unter seiner Leitung waren im Villinger Münster seit 1921 zahlreiche bedeutende Werke auf hohem Niveau aufgeführt worden. Neben seiner kirchlichen Tätigkeit arbeitete Huth aber auch für eine Reihe weltlicher Chöre in Villingen und Umgebung. Die Übergabe der Regierungsgewalt an die Nationalsozialisten im Jahr 1933 betrachtete Huth aufgrund seiner christlichen Prinzipien mit äußerster Skepsis. Dabei scheute er sich nicht, die verbrecherischen Machenschaften der neuen Machthaber in Gesprächen und Diskussionen öffentlich zu kritisieren. Im August 1943 erklärte Huth im Streit mit einer Nachbarin, deren Sohn eine „Nationalpolitische Erziehungsanstalt“ (Napola) besuchte, wie froh er sei, selbst keinen Sohn zu haben, der mit den Nationalsozialisten sympathisiere. Die Politik der Nationalsozialisten, so Huth, sei ein Unterdrückungssystem und brächte weiterhin nichts als „Großmaulerei“ hervor. Kurze Zeit später traf Huth mit einem Fahnenjunker, einem überzeugten Nationalsozialisten zusammen, der um die Hand seiner ältesten Tochter anhalten wollte. Huth beabsichtigte, dem jungen Mann sein offenbartes Interesse auszureden, verschwieg bei dieser Gelegenheit jedoch auch ihm gegenüber nicht, was er von der Regierung hielt. So sei Goebbels ein verlogener „Maulheld“, der nichts als die „billigste Propaganda“ verbreite, das deutsche Volk aber würde „verdummt“ und von „größenwahnsinnigen Geistern“ geführt.
Kein halbes Jahr später wurde Huth sowohl von der genannten Nachbarin als auch von dem jungen Fahnenjunker bei den Behörden denunziert. Die Anzeigen führten zur Verhaftung Huths am 19. Januar 1944. Am 1. März 1944 wurde nach Abschluss der Ermittlungen Anklage erhoben. Huth habe durch seine öffentlichen Äußerungen „den Willen des deutschen Volkes zur wehrhaften Selbstbehauptung zu lähmen oder zu zersetzen gesucht“. Rund einen Monat später kam es in Stuttgart vor dem SS- und Polizeigericht IX zur Hauptverhandlung. Den Gerichtsvorsitz führte SS-Richter Otto Hoffmann, zu diesem Zeitpunkt als Höherer SS- und Polizeiführer ranghöchster SS-Offizier im Südwesten des Reichs. Huth wurde „wegen Zersetzung der Wehrkraft“ zum Tode verurteilt.
Dem grausamen Urteilsspruch folgte eine erneute monatelange Haftzeit, während der Huth zuerst im Zuchthaus Ludwigsburg gefangen war. Im September 1944 verlegten die Behörden Huth in das Polizeigefängnis nach Leonberg. Während dieser fünfmonatigen Gefängnishaft entwickelte sich Huth zu einer verehrten Vertrauensperson für seine Mitgefangenen. Diese erfanden für den hilfreichen Mann, der stets aufbauende Worte für sie übrig hatte, bald den liebevollen Namen „Papa Huth“. Am 15. Oktober 1944 wurden die Gnadengesuche durch Himmler abgelehnt. Damit war das Todesurteil von höchster Stelle bestätigt, die letzte Hoffnung zunichte. In der Nacht vor seiner Hinrichtung verfasste Huth ein letztes eindringliches Vermächtnis an seine Familie, in dem noch einmal seine ungetrübte Glaubenstiefe deutlich wurde. Im Angesicht seines Todes bat er um Gnade für seine Feinde. Am 1. November 1944 brachte ihn ein Polizeikommando von Leonberg auf den Schießplatz Dornhalde bei Stuttgart, wo er um 7.10 Uhr erschossen wurde.
Quelle:

  • Biografie auf Landeskundlichen Portal LEO-BW
  • Sterbeurkunde Ewald Huth (Stadtarchiv Stuttgart, Sterbebuch Stgt.-Mitte via Recherche Wolfgang Kress)

 
Gustav Stange

Sterbeurkunde Gustav Stange (Stadtarchiv Stuttgart, Sterbebuch Stgt.-Stammheim, via Recherche Wolfgang Kress)

Sterbeurkunde Gustav Stange (Stadtarchiv Stuttgart, Sterbebuch Stgt.-Stammheim, via Recherche Wolfgang Kress)


Gustav Stange wurde am 20. Februar 1942 auf der Schießbahn Dornhalde erschossen, weil er sich standhaft weigerte, seinem Stellungsbefehl nachzukommen. Er wollte keinen Eid auf Hitler leisten und auch keine Waffe in die Hand nehmen. Der 39-jährige wurde am 20. Februar 1942 von einem Stuttgarter Kreigsgericht wegen „Zersetzung der Wehrkraft“ zum Tode verurteilt. Gustav Stange war Teil der Glaubensgemeinschaft Zeugen Jehovas – früher auch als „Ernste Bibelforscher“ bezeichnet. Diese geriet nach 1933 mit den Nazionalsozialisten in Konflikt und wurde in Baden-Württemberg bereits im Februar 1934 verboten, weil sie sich dem Führerkult und dem Hitlergruß verweigerten.
Die Stammheimer Stolperstein-Initiative erinnert mit ihrer Gedenkplakette – der ersten in Stuttgart für einen Zeugen Jehovas – vor der Münchinger Straße 5 an Gustav Stange. Im Haus daneben – in der Böblinger Straße 103 – befand sich die Schuhmacherei Schlegel, in der bis zu seiner Einberufung zur Wehrmacht am 20. Januar 1942 Gustav Stange aus Stammheim gearbeitet hatte.
Quelle:

 
Max Bender

Sterbefallanzeige Max Bender (Quelle: Landesarchiv Baden-Württemberg, Staatsarchiv Ludwigsburg, via Recherche Martin Schweyher)

Sterbefallanzeige Max Bender (Quelle: Landesarchiv Baden-Württemberg, Staatsarchiv Ludwigsburg, via Recherche Martin Schweyher)


Zu der Person Max Bender und dem Todesurteil sind uns bisher leider keine weiteren Details bekannt.

Postkarte "Gruss vom Schiessplatz Dornhalde bei Stuttgart"

Garnisonsschuetzenhaus2
Unser Dank gilt Jörg Trüdinger, Such & Find Stuttgart, der die Postkarte am Flohmarkt Karlsplatz gefunden hat.

Landschaftsschutzgebiet

Garnisonsschuetzenhaus-Schwaelblesklinge-LSG_3Juni14_CClausen-2Das Garnisonsschützenhaus liegt im 149 ha großen Landschaftsschutzgebiet Waldfriedhof-Dornhalde im Naturraum Stuttgarter Bucht auf einer Höhe von ca. 410 m ü. NN. Das von der Geologie des Stuttgarter Keuperstufenrandes geprägte umliegende laubholzreiche Mischwaldgebiet ist seit 1999 geschützt. Es hat eine Filterwirkung für die zum „Stuttgarter Kessel“ fließenden Kaltluftströme (daher auch der Name „Kaltental“) und sorgt durch seine Hanglage für eine fortwährende Frischluftzufuhr. Die unverfüllten und unverbauten Waldklingen sind landschaftstypisch, die kleinen Fließgewässer ermöglichen durchgängige Lebensräume für Tiere und Pflanzen. Landschaftsschutzgebiete sind Gebiete, in denen ein besonderer Schutz von Natur und Landschaft erforderlich ist. Folgende Gründe können dafür z.B. zutreffen: die Erhaltung der Leistungsfähigkeit des Naturhaushalts, die nachhaltige Nutzungsfähigkeit der Naturgüter, der Schutz von Lebensstätten und Lebensräumen bestimmter wild lebender Tier- und Pflanzenarten, die kulturhistorische Bedeutung der Landschaft oder die Bedeutung für die Erholung. Landschaftsschutzgebiete sind definiert in § 26 Bundesnaturschutzgesetz und in § 29 Naturschutzgesetz Baden-Württemberg.

Weitere Bilder finden Sie in der Fotogalerie.
Quelle: Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg

Beerdigung Ensslin, Baader und Raspe

Standbild aus "Deutschland im Herbst" (Beitrag von Volker Schlöndorf, FIlmverlag der Autoren, Deutschland, 1978)

Standbild aus „Deutschland im Herbst“ (Beitrag von Volker Schlöndorf, FIlmverlag der Autoren, Deutschland, 1978)


Am 27.10.1977 wurden die RAF-Terroristen Gudrun Ensslin, Andreas Baader und Jan-Carl Raspe auf dem Dornhaldenfriedhof bestattet – in direkter Nachbarschaft des Garnisonsschützenhauses. Der Stuttgarter Oberbürgermeister Manfred Rommel ermöglichte damals die Bestattung in einem Gemeinschaftsgrab. Seine Aussage „Mit dem Tod muss alle Feindschaft enden“ ist bis heute vielen im Erinnerung. Weitere Informationen dazu findet man u.a. hier: